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Sonntag, 1. Mai 2016

Update: Zinspolitik EZB

Was ist dieses Jahr im Frühjahr passiert?
Für die Märkte überraschend senkten Draghi & Co die Leitzinsen Mitte März 2016 auf 0%, der Einlagenzins rutschte noch weiter ins Negative von -0.3% auf -0.4%, die monatlichen Anleihekäufe wurden von 60Mrd. € auf 80 Mrd. € aufgestockt, zugleich wurden die dafür notwendigen Standards herabgesetzt. Darüberhinaus werden ab Juni 2016 vier neue mehrjährige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO II) aufgesetzt, welche Banken mit lukrativen Prämien locken, falls diese die Kreditvergabe an die Realwirtschaft verbessern.

Wie sind die ökonomischen Statistiken zu bewerten?
Laut statistischem Bundesamt betrug die Inflation nach Verpraucherpreisindex im Euroraum im Jahr 2015 genau 0%. Nicht zu unterschlagen dabei ist die Entwicklung der Energiepreise, die im selben Zeitraum massiv eingebrochen sind. Das führt zu minimal positiven Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich der Inflation) von aktuell zwischen 0% und 0.5%.

Sandro Almir Immanuel  / pixelio.de
Welche Spielräume hat die EZB laut ihrer Satzung?
  • Vorrangiges Ziel der EZB ist es für Preisstabilität zu sorgen. Sie setzt sich dabei selbst das Ziel einer Inflation von knapp unter 2% pro Jahr.
  • Im Juli 2012 sprach Draghi sein historisch "whatever it takes" für den Erhalt der Eurozone. Einst begründet mit der Preisstabilität, drängt sich immer stärker der Verdacht der verbotenen monetären Staatsfinanzierung auf.
Welche Konsequenzen ergeben sich für Bürger und Unternehmen?
Als Reaktion auf die nun schon länger anhaltende Niedrigzinsphase sind viele Banken gezwungen ihr ehemals sehr lukratives Kreditgeschäft mindestens um weitere Einnahmequellen zu erweitern. So schrecken viele Institute noch vor Negativzinsen für Privatkunden zurück, erhöhen jedoch deutlich die Gebühren für Girokonten. So müssen beispielsweise Kunden der Münchner Fidor-Bank ab der dritten Bargeldabhebung im Monat jeweils 2€ Gebühren zahlen.
Unternehmen sollten sich die günstigen Zinskonditionen sichern, um nötige Investitionen voranzutreiben. Es besteht freilich die Gefahr, dass dadurch auch Projekte vorangetrieben werden, die unter einem höheren Zinsniveau einen negativen Barwert bekämen.

Warum ist Sparen überhaupt wichtig?
Natürlich definiert sich die Bürger nicht nur übers Sparen, sondern ihnen spielen ebenso die aktuell extrem günstigen Zinskonditionen für Konsumausgaben, Autokauf und Immobilienfinanzierung in die Hände. Auf der anderen Seite ist es wichtiger denn je privat für die Altersvorsorge anzusparen und sich nicht allein auf die gesetzlichen Möglichkeiten zu verlassen. Dies ist momentan nur durch eine stärkere Fokussierung auf risikoreichere Anlagemöglichkeiten wie Aktien zu erreichen.

Diskussion der politischen Vorschläge
Falls tatsächlich Negativzinsen für private Girokonten kommen, geistern auf politischer Seite aktuell zwei Vorschläge:
  • Anhebung des Sparerpauschbetrages. Aktuell sprechen wir von 801€ p.a. für Unverheiratete und 1602€ p.a. für Ehepaare.
  • Die Absetzbarkeit der Negativzinsen von der Einkommenssteuer.
Der Sparerpauschbetrag gehört in meinen Augen gänzlich abgeschafft, ähnlich wie die einheitliche Abgeltungssteuer in Höhe von 25%. Wir sollten wieder dazu übergehen jeden Euro zusätzlichen Verdienstes steuerlich auch als solchen zu behandeln. Das heißt Zinsgewinne sollten dem Arbeitseinkommen angerechnet werden. Niedrigverdiener profitieren von solch einer Regelung am meisten, wohingegen Gutverdiener auch nicht schlechter behandelt werden, als das bei ihrem Arbeitseinkommen ohnehin der Fall wäre.
Wir brauchen auch nicht weitere Absetzmöglichkeiten, dass macht unser Steuersystem nur noch unübersichtlicher und trägt ebenso wenig zur gerechten Lastenverteilung bei. Es schwächt auch in gewisser Weise den Wettbewerb zwischen den Banken, da diese dadurch indirekt vom Staat mitfinanziert würden.

Montag, 6. Juli 2015

Griechenland Referendum - Kommentar

War es wirklich die seitens der Tsipras Regierung vorgeworfene Erpressung der EU, die dafür sorgte, dass über 60% der Wähler sich gegen das Reform- und Sparpaket der Eurozone wandten? Wollte man gar in boshafter Absicht jeden einzelnen Griechen seiner Würde berauben, wie es doch so oft von Varoufakis&Co beschrieben wurde? Und war es vor allem ein Sieg der Demokratie, des Volkswillens, über das von Deutschland gesteuerte EU-Ausland?

griechenland-deals  / pixelio.de
Ich sage dazu nur dreimal OXI* und bedauere zugleich, dass dieses Wort auch den Wendepunkt der seit 2010 durchgeführten Rettungspolitik darstellt. Seitdem sind knapp 220Mrd. € an Griechenland geflossen, die laut ifo-Institut in etwa zu gleichen Teilen für ausländische Gläubiger, der eigenen Bevölkerung in Form eines höheren Konsumniveaus und der Kapitalflucht vermögender Griechen ins Ausland dienten. Es ist also wahr, dass damit Banken gerettet wurden, aber nicht zu 90% wie von Varoufakis in Interviews behauptet. Und wir wollen nicht vergessen, dass bei Bankenrettungen auch Kunden- und Firmengelder gerettet und zugleich Ansteckungseffekte verringert wurden.

Auf der anderen Seite war es schon lange nicht mehr ersichtlich warum europäische Kredite in ein System gepumpt werden sollten, das immer wieder an seiner Tragfähigkeit zweifeln ließ. So stehen allein für Deutschland rund 90Mrd. € auf dem Spiel, die man vermutlich größtenteils abschreiben muss. Tsipras versteht Demokratie auch in erster Linie für die griechische Bevölkerung reserviert und nicht für den Rest Europas, welches für die jetzige Schuldenlast haftet.

Ich habe soweit Verständnis für die Mehrheitsentscheidung, weil man Angebote, die massive Reformbemühungen enthalten und damit viel von der Bevölkerung abverlangen, ausschlagen dürfen sollte. Ich fürchte aber zugleich, dass die Konsequenzen einer solchen Entscheidung den wenigsten wirklich bewusst war. Mit dem heutigen Tag müssen es die Griechen alleine schaffen, ohne weitere Hilfskredite, ohne weitere Soforthilfen der EZB, ihre Wirtschaft zu reformieren. Abseits der Wiedereinführung der Drachme gibt es dann kaum noch  Alternativen. Humanitäre Krisen, die zum Teil schon im Gange sind, werden sich ausbreiten. Die EU sollte darauf vorbereitet sein und wichtige Importgüter wie Nahrung und Medikamente für die notleidende Bevölkerung zur Soforthilfe bereithalten.


Die jetzige Linksradikal-Rechtsradikal Regierung (wer hat sich sowas überhaupt ausgedacht?) hat innerhalb von 5 Monaten die harte Reformarbeit der letzten Jahre zerstört und sich damit als unfähig erwiesen.  Kali Nichta, Tsipras!

Dienstag, 17. März 2015

Marktausblick: Griechenland-Krise

Hans-Joachim Schüngeler  / pixelio.de

Es ist schon höchst interessant mit anzusehen, wie der deutsche Leitindex (DAX) fast täglich neue Rekorde bricht und das bei einem Nachrichtenumfeld, welches den Anleger nicht in Freudentaumel versetzt. Die letzten Wochen waren seit der Griechenland-Wahl Ende Januar wieder stark von der Zahlungsunfähigkeit und -willigkeit dieses Landes geprägt. 




Nebenbei startet in den USA die Debatte um die Anhebung des dortigen Leitzinses, welches auch durchaus Sinn ergibt, da die amerikanische Wirtschaft längst aus dem Tal der Krise herausgekommen ist und zu geringe Zinsen die falschen Anreize setzen würden. Nicht zu letzt belastet die Ukraine Krise nach wie vor die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland.

Folgend eine kleine Auswahl der notwendigen Reformen, die die Troika vorschlägt und wogegen sich die linke griechische Regierung widersetzt.

  • Bürokratieabbau im öffentlichen Sektor → Effizienzsteigerungen durch Kostenreduktion, d.h. Personaleinsparungen und eine Umstrukturierung der Aufgaben
  • Privatisierungen vorantreiben und nicht aufgeben (laut Troika lassen sich bis 2020 bis zu €18 Mrd. damit erzielen)
  • Liberalisierung der Wirtschaft, vereinfachte und gerechtere Steuergesetzgebung um Investitionen anzulocken
  • Korruption beseitigen
  • Rentensystem und Justizwesen reformieren

Zwar verspricht die stärkste Regierungspartei SYRIZA, dass sie Steuern für Reiche anheben und die Korruption beseitigen wolle, doch ernsthafte Gesetzesvorschläge sind bisher nicht in das Parlament eingegangen.

Die EZB und die beiden Hilfsprogramme haben sehr viel Zeit für die griechischen Regierungen gekauft. Leider ist viel Zeit verstrichen ohne, dass viel passiert ist. Klar ist gibt in einigen Bereichen Lichtblicke und manche Politiker sprechen davon, dass man Licht am Ende des Tunnels sehen würde. Ich bin da weiterhin eher skeptisch und halte die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite für unvermindert hoch.

Dem Anleger kann ich aktuell nur empfehlen nicht blindlings den DAX-Ständen hinterher zu laufen. Eine Korrektur wird über kurz oder lang auch dort eintreten. Zudem gleichen die hohen Renditen nur die immensen Verluste des Euro gegen andere Währungen wie beispielsweise den Dollar aus. Man sollte deshalb ein Produkt wählen, dass weltweit engagiert ist und gerade im Dollar stark investiert ist. 

Mittwoch, 27. August 2014

Marktausblick 27.08.2014:

Es geht weiterhin große Gefahr von der Geldpolitik der amerikanischen (FED) und europäischen Notenbank (EZB) aus. Durch die extreme Niedrigszinsagenda suchen Investoren immer noch zwanghaft nach rentablen Anlagemöglichkeiten. Ins Blickfeld geraten dabei schnell sogenannte High-Yield Anleihen, also Schuldverschreibungen hoch riskanter Unternehmen, die immerhin im Euroraum noch zwischen 5 und 10% abwerfen, gleichzeitig aber ein sehr hohes Ausfallrisiko aufweisen. 

Rainer Sturm  / pixelio.de
In der Theorie ist die Begründung für den Zins eine Entschädigung für das Risiko, hier stehen diese beiden Größen aber nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis. Im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen, die aktuell um die 0,9% Rendite bringen, scheinen die High-Yield Bonds aber immer noch zu verlockend für institutionelle Anleger. Wir erkennen hier also eine deutliche Fehlallokation im Zusammenhang mit den künstlich niedrig gehaltenen Zinsen. Für mich ein weiterer Hinweis auf die zerstörische Kraft der Notenbanken. Man kann nur hoffen, dass mit neuen Formen des Geldes (Geldwettbewerb à la Hayek), sich bald eine neue Ordnung etablieren wird.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt reden wir nur von potentiellen Risiken, doch diese werden schnell real, sobald die Konjunktur wieder Dellen bekommt. Erste Hinweise darauf lieferte gestern das Ifo-Insitut. Deren Geschäftsklimaindex fiel um 1.7 Punkte auf nur noch 106.3 Punkte. Gleichzeitig korrigierten sie ihre Wachstumprognose für Deutschland von 2% auf 1.5%. Wir sind damit noch weit von einer Rezession entfernt. Doch die ersten Unternehmen, die eine Abschwächung der Konjunktur mitbekommen sind jene, deren Investitionsmodelle auf den niedrigen Zinsen basieren. Das zwingt die Notenbanken quasi ihre lockere Geldpolitik beizubehalten mit der sie die Investitionsblase immer weiter aufblähen – ein Teufelskreis.

Erste Hinweise auf einen Anstieg der Zinsen gibt es aus Amerika. Nicht nur haben die Amerikaner eine deutlich geringere Arbeitslosenquote von 5%, vgl. Euroraum fast 12%, sondern auch eine stärkere Inflation von aktuell 2%, vgl. Euroraum 0.4%. Eine baldige Anhebung, wenn auch eine leichte, wäre die logische Konsequenz. Die Stagnation im Euroraum (Italien erst wieder in die Rezession geschlittert) macht eine baldige Kehrtwende der EZB zu höheren Zinsen äußerst unwahrscheinlich.

Was heißt das alles für Anleger?
Sicherheit im Depot macht sich bezahlter als die schnelle Rendite. Durch erhöhte Ausfallrisiken ist es oft rentabler einen geringen Zins (womöglich unter Inflationsniveau) in Kauf zu nehmen um zumindest nominal leichte Zugewinne zu verzeichnen. 
Gold wird auch wieder interessanter, zumindest um es überhaupt erstmal in seine persönlichen Bestände aufzunehmen. Gold wird in Dollar gehandelt, dass macht es gerade bei der zu erwartenden  restriktiveren Geldpolitik der FED attraktiver. 
Ziehen Sie außerdem regelmäßig ihre Stopps an und diversifizieren Sie!

Mittwoch, 20. August 2014

Onlinebroker - Vergleich

Ich möchte folgende Informationen weitergeben. Gerade für Börsenneulinge oder Personen, die überlegen ihr Depot zu wechseln, von Mehrwert. Selbst kann ich v.a. Flatex (beste Konditionen) und Cortal Consors (Komfort und Service) empfehlen. Macht euch am besten selbst ein Bild.

→ Vergleichsseite:
http://www.dtgv.de/nationale-studien/onlinebroker-test-von-konditionen-angebot-und-service.html

→ Sendebeitrag aus N24:
http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/4508384/16-online-broker-im-test.html

Freitag, 15. August 2014

Zum Sinken der deutschen Staatsverschuldung:

In den letzten Tagen war vermehrt die Rede davon, dass die deutsche Staatsverschuldung nun wieder rückgängig sei. Von besonderer Sparsamkeit der Großen Koalition kann aber keineswegs die Rede sein. Dazu brauchen wir uns nur extrem kostenintensive Projekte wie die "Rente mit 63" und die "Mütterrente" anschauen. 

Die einmalige Rückzahlung in Höhe von ca. 30 Milliarden Euro lässt sich wohl im Wesentlichen durch Sondereffekte erklären. So konnten einige Schattenhaushalte, die im Zuge der letzten Finanzkrise gebildet wurden, sich von einigen Papieren trennen, die in ihren Büchern deutlich niedriger bewertet worden sind. Der Schuldenrückgang von etwa 1,5% ist demnach eher auf die zu vorsichtige und deshalb unrealistische Bewertungsmethode der deutschen Bad Banks zurückzuführen. 

Ein wirkliches Sparen bei den Staatsausgaben ist derzeit nicht erkennbar. Wir sollten deshalb weiter damit rechnen, dass die hohe Staatsverschuldung von ca. 80% auch demnächst nicht zurückgeht. Außerdem müssen wir uns weiterhin damit begnügen, dass es über die nächsten Jahrzehnte keine besonderen finanziellen Spielräume geben wird. Gerade für Bereiche wie Gesundheit, Bildung und Infrastruktur. In Deutschland herrscht immer noch die einhellige Meinung, dass wir von den griechischen und portugiesischen Schuldenproblemen meilenweit entfernt seien und nur die anderen ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. Von dieser Vorstellung gilt es sich zu verabschieden. Wer für eine Gerechtigkeit zwischen den Generationen eintritt, darf keine unüberwindbaren Aufgaben zurücklassen!

Dienstag, 25. Februar 2014

EUMA-Indikator DAX: 24.02.2014

Auch die letzte kleinere Januar/Februar-Korrektur war wieder zu schwach um sichere, d.h. eindeutige Kaufsignale zu generieren. Der letzte Schnitt der EUMA K und EMA K Linien am 14.02.2014 erfolgte auf einem Niveau von 1.5, welches wenn überhaupt als schwacher Kaufhinweis zu deuten ist. Der DAX-Kurs befand sich zu diesem Zeitpunkt bei 9662.4 (aktuell leicht darüber bei 9708.94). Eine besondere Entwicklung erwarte ich nicht, was nicht heißt, dass der Aufwärtstrend gebrochen ist, allerdings werden die Steigerungen deutlich schwächer ausfallen als zuletzt beobachtet. Als Anlage kann ich ein DAX-ETF aus aktueller Sicht nicht empfehlen, da ich kaum Volatilität erwarte. Diese kann zum aktuellen Zeitpunkt vermutlich nur politisch erzeugt werden.